regenpfeifer

Wege durch Sonne und Regen

Kategorie: Kunst & Kultur

Nelsons über Wagner

für mich erlöst sich Wag­ner in sei­nem Werk, durch sein Werk, durch Par­ti­tu­ren wie Tris­tan und Isol­de und den Par­si­fal

Verlust des öffentlichen Raumes

Bahn­hö­fe und Schie­nen­net­ze gehö­ren zu den prä­gends­ten Struk­tur­ele­men­ten des öffent­li­chen Rau­mes. Eine Gesell­schaft zeigt in ihren öffent­li­chen Räu­men – Plät­zen, Gebäu­den, Ver­kehrs­we­gen – an, wie sie sich selbst ver­steht und wel­che gemein­sa­men Auf­ga­ben und Ver­pflich­tun­gen ihr wich­tig sind. Eine Aus­stel­lung der kunst­ko­ope­ra­ti­ve rhein­main macht nun auf den Ver­fall vie­ler Bahn­hö­fe auf­merk­sam: »Es ist sym­pto­ma­tisch, wie der öffent­li­che Raum, der den Bür­gern gehört, ver­nach­läs­sigt wird.« Ich glau­be, dass sol­che Ver­falls­er­schei­nun­gen damit zusam­men­hän­gen, dass unse­re Gesell­schaft immer mehr ihrer gemein­sa­men Zie­le ver­gisst bzw. glaubt, die­se out­sour­cen und pri­va­ti­sie­ren zu kön­nen: sozia­le Gerech­tig­keit, Alters­ver­sor­gung, Ver­kehr und Kom­mu­ni­ka­ti­on, sogar Sicher­heit – pri­va­te Unter­neh­men könn­ten dies alles bes­ser und effi­zi­en­ter, haben uns die Betriebs­wir­te weis­ge­macht. Viel­leicht kön­nen sie es teil­wei­se bil­li­ger, obwohl dies noch lan­ge nicht fest­steht und die lang­fris­ti­gen Kos­ten der Ver­wahr­lo­sung vie­ler öffent­li­cher Berei­che die Gesell­schaft tra­gen muss. Vor allem aber wird über­se­hen, dass öffent­li­cher Raum und öffent­li­che Insti­tu­tio­nen sowohl Aus­druck wie Kon­sti­tu­ti­ons­be­din­gun­gen einer Bür­ger­ge­sell­schaft sind. Es gab mal die euro­päi­sche Idee der Citoy­ens und Citoy­ennes, die mehr sind als blo­ße Objek­te von Kon­sum- und Effi­zi­enz-Kal­ku­la­tio­nen.

Das Ver­rück­tes­te ist aber, dass mit der all­um­fas­sen­den Pri­va­ti­sie­rung auch die Pri­vat­heit schwin­det: Öffent­lich­keit und Pri­vat­sphä­re bedin­gen ein­an­der. Bür­ge­rin­nen und Bür­ger drü­cken sich in gemein­sa­men Anlie­gen in der öffent­li­chen Sphä­re aus und gestal­ten die­se auf­grund poli­ti­scher Über­zeu­gun­gen. Ein sol­cher öffent­li­cher Wert ist auch der Schutz des pri­va­ten Frei­raums. Pri­va­te Unter­neh­men jedoch haben kein Inter­es­se an Pri­vat­heit, im Gegen­teil, sie wol­len alles Pri­va­te, Inti­me, Indi­vi­du­el­le bis ins letz­te durch­drin­gen, aus­for­schen und kom­mer­zi­ell ver­wer­ten. Die Aus­stel­lung »Pri­vat« in der Frank­fur­ter Schirn zeigt die­se Mecha­nis­men scho­nungs­los auf. Die bewuss­te, öko­no­misch gewoll­te Auf­lö­sung der Öffent­lich­keit zer­stört zugleich Intim­sphä­re und Indi­vi­dua­li­tät.

Post-privacy

Sind wir tat­säch­lich schon in der »Post-pri­va­cy-Ära« ange­langt? Kei­ne ange­neh­me Vor­stel­lung, fin­de ich.

frühlingsabend

ins blau des him­mels
wei­sen abends die äste
der alten lin­de.

ich könnte wohl

ich könn­te wohl
in die schwär­ze ein­tau­chen
baden im nebel
den nie­der­schlag feuch­ter käl­te
als erfri­schung anprei­sen

aber davon will ich nicht reden
will nicht
mit mei­nem dun­kel
die welt über­tün­chen

was ich will ist
die tün­che abwa­schen
ohne zu wis­sen

ob unter ihr
far­be her­vor­tritt

oder nur grau

Audimax: Alban-Berg-Quartett und Heinrich Schiff

Wun­der­schö­ne Inter­pre­ta­ti­on des Schu­bertschen Streich­quin­tetts. Der ers­te Vio­li­nist schien förm­lich mit sei­ner Gei­ge und der Musik zu ver­schmel­zen. Es hat­te etwas sehr Zärt­li­ches, das ich bei der sonst gewohn­ten küh­len und ana­ly­ti­schen Spiel­wei­se des AB-Q gar nicht erwar­tet hät­te.

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