regenpfeifer

Wege durch Sonne und Regen

Kategorie: Geisteswissenschaften (Seite 1 von 2)

Auf Gott stürzen

I

Ein vier­und­zwan­zig­jäh­ri­ger [Student], fett, damit das Schreckliche hin­ter den Kulissen, wel­ches er sah (das war sei­ne Fähigkeit, viel­leicht sei­ne ein­zi­ge) nicht all­zu nah an ihn her­an­kom­me, der es lieb­te, die Löcher in sei­nem Fleisch, da doch gera­de durch sie das Ungeheuerliche her­ein­strö­men konn­te, zu ver­stop­fen, der­art, dass er Zigarren rauch­te … und über sei­ner Brille eine zwei­te trug, eine Sonnenbrille, und in den Ohren Wattebüschel: Dieser jun­ge Mann, noch von sei­nen Eltern abhän­gig und mit nebu­lö­sen Studien auf der Universität beschäf­tigt, die in einer zwei­stün­di­gen Bahnfahrt zu errei­chen war, stieg eines Sonntagnachmittags in den gewohn­ten Zug, Abfahrt sieb­zehn­uhr­fünf­zig, Ankunft neun­zehn­uhr­sie­ben­und­zwan­zig, um ande­ren­tags ein Seminar zu besu­chen, das zu schwän­zen er schon ent­schlos­sen war. [1]

Doch auf die­ser Strecke, die er oft fährt, fällt ihm auf, dass der Zug unge­wöhn­lich lan­ge durch einen eigent­lich sehr kur­zen Tunnel rast, den er sonst nie son­der­lich bemerkt hat. Die Unruhe des Studenten wächst, wäh­rend die Mitreisenden nicht beun­ru­higt sind. Der Schaffner ver­si­chert auf Anfrage, dass alles in Ordnung sei. Der Student stößt zum Zugführer durch, der sich den lan­gen Tunnel nicht erklä­ren kann. Gemeinsam schaf­fen sie es, zur Lokomotive zu klet­tern. Der Führerraum ist leer: der Lokomotivführer ist schon nach fünf Minuten abge­sprun­gen, der Zugführer hin­ge­gen an Bord geblie­ben, aus Pflichtgefühl und weil er schon »immer ohne Hoffnung gelebt« habe. Die Lokomotive gehorcht nicht mehr, die Notbremse funk­tio­niert nicht, und der Zug rast immer schnel­ler und schnel­ler in den dunk­len Abgrund.

So geschieht es in Friedrich Dürrenmatts groß­ar­ti­ger Geschichte »Der Tunnel«. Das ist das Gefühl von Menschen, denen plötz­lich, von einem Tag auf den ande­ren, der Boden unter den Füßen weg­ge­zo­gen wird. Meine Lebensgrundlage, mein gan­zer Lebensplan, auf den ich gebaut habe, erweist sich mit einem Mal als durch und durch nich­tig. Meine Ausbildung, mei­ne Karriere, sorg­fäl­tig geplant, fällt in sich zusam­men. Ich ste­he mit nichts in den Händen da, weiß nicht, was ich machen soll. Ein Partner / eine Partnerin, mit dem oder der man sich eine gemein­sa­me Zukunft aus­ge­malt hat – Haus, Familiengründung, Kinder, alles schon plas­tisch vor Augen – will nicht mehr mit einem zusam­men sein, und man weiß gar nicht war­um. Meine Gesundheit, mei­ne Lebenskraft, auf die ich mich ges­tern noch ver­las­sen konn­te, sie ver­lässt nun mich – durch eine Krankheit, einen Unfall. Ich stür­ze in einen schwar­zen Abgrund und fra­ge mich, war­um ich über­haupt noch da bin. Wäre es nicht bes­ser, es gäbe mich nicht?

II

»Verflucht der Tag, an dem ich gebo­ren wur­de, aus­ge­löscht sei die Nacht, die sprach, ein Mann ist emp­fan­gen« (Ijob 3,3) – so klagt Ijob, der Gerechte, Liebling Gottes, als er in die­sen schwar­zen Tunnel stürzt, als ihm genau das, was Menschen das Liebste ist, genom­men wird: Familie, Besitz, Gesundheit.

Das Lebensgefühl Ijobs hat einen Namen: Nihilismus. Die Überzeugung, dass es nichts gibt, was mei­nem Leben Sinn und Wert ver­lei­hen könn­te. Alle Sinn- und Wertsysteme, auf die ich gebaut habe, erwei­sen sich als nich­tig: nihil, nichts. Auch Gott erweist sich als nich­tig, und es spielt gar kei­ne Rolle, ob es ihn gibt oder nicht. Er ist nicht da, macht sich nicht bemerk­bar, hilft mir nicht, lässt mich fal­len – ins Nichts.

Es gibt mehr Menschen, als wir den­ken, die von die­sem Lebensgefühl ange­grif­fen sind, und es muss gar nicht immer ein furcht­bar dra­ma­ti­sches Ereignis sein, das die­ses Gefühl aus­löst. Ich brau­che ja nur in mein eige­nes Leben zu schau­en oder in das von Menschen, die ich gut ken­ne, um zu mer­ken, wie nah wir oft am Rand die­ses schwar­zen Tunnels ste­hen. Da muss einer Tag für Tag hart um sein täg­li­ches Brot schuf­ten, um müh­sam sein Auskommen zu sichern, Schulden abzu­zah­len und irgend­wie den sozia­len Abstieg abzu­wen­den. Und er kommt und kommt nicht frei. Jahre gehen ins Land und irgend­wann weiß er gar nicht mehr, wofür er das alles tut; er fällt und fällt schon immer tie­fer in den schwar­zen Tunnel. Oder es setzt sich einer idea­lis­tisch für eine Sache ein, inves­tiert sei­ne gan­ze Leistungs- und Schaffenskraft in ein Projekt und fragt sich eines Tages: war­um mache ich das eigent­lich? All der Erfolg und die Anerkennung haben mich nicht glück­lich gemacht. Er schaut sich um und ist im schwar­zen Tunnel. Und da ist wie­der einem ande­ren viel­leicht schlicht und ein­fach lang­wei­lig, tod­lang­wei­lig. Nichts fehlt ihm, aber mit dem, was er hat, kann er nichts anfan­gen. Er hat kein Ziel, kei­ne Motivation, nichts, was ihn vor­an­treibt, ihm Freude berei­tet. Das Irrewerden am Leben muss nicht mit gro­ßen Schmerzen und Leiden ver­bun­den sein, es kann ganz leid­lich dahin­ge­hen, wie bei der Zugfahrt in Dürrenmatts Tunnel. Aber es genügt, dass ich nicht mehr weiß, wozu das Ganze, war­um und wofür ich lebe. Ich bin im schwar­zen Tunnel.

Wenn mir das wider­fährt, dass ich im Tunnel ste­cke, dann mer­ke ich: kei­ner ist da, der mich auf­fängt. Auch Gott greift nicht ein. So wie er bei Ijob nicht ein­greift. Manchmal habe ich Glück und es taucht unver­hofft Licht auf, ein Ende des Tunnels wird sicht­bar. Manchmal kann ich mir hel­fen las­sen, erfah­re Unterstützung in einer schwie­ri­gen Situation, fin­de Menschen, die mir bei­ste­hen, mir Mut machen. Ich schaf­fe es, mich zu befrei­en, den Fall ins Dunkle zu stop­pen, müh­sam ans Licht zu klet­tern. Bewundernswert sind die Menschen, dies es aus eige­nen Kräften – with a litt­le help from their fri­ends – schaf­fen, solch eine Krise zu meis­tern. In sehr vie­len Fällen gelingt es erstaun­li­cher­wei­se, dass jemand sogar ein schier unglaub­li­ches Schicksal besiegt und sich wie­der auf­rap­pelt.

Aber es ist mensch­li­che Leistung, eige­ne oder die von Freunden und Helfern, die so etwas mög­lich macht. Das beant­wor­tet nicht die Frage nach Gott, der solch eine Krise, solch einen Sturz zuge­las­sen und mich im Fallen nicht auf­ge­fan­gen hat. Und am Ende, ganz am Ende mei­nes Lebens erweist er sich trotz allen Bemühens als unver­meid­lich: der Sturz ins Nichts, in den Tod, den schwar­zen Abgrund.

III

Wo ist da Gott? Ich kann nur spe­ku­lie­ren, war­um er mich so lang und allein durch den Tunnel fah­ren lässt. Um mei­ne eige­nen Fähigkeiten und Kräfte zu akti­vie­ren? Um uns zur gegen­sei­ti­gen Hilfeleistung zu nöti­gen? Um uns etwas von sei­nem – Gottes – Wesen nahe­zu­brin­gen? Denn auch er ist ja irgend­wie nichts. Mit nichts ver­gleich­bar, was unse­rer Erfahrung und unse­rem Denken ent­spricht.

Das alles sind Mutmaßungen, kei­ne Erklärungen. Und doch kann die­ses Ringen und Fragen und Suchen, das Fallen und Aufstehen, die Suche nach Licht im Dunkeln, kann all das die Ahnung in mir bestär­ken, dass er, der Abwesende, das Nichts, da ist. Das däm­mert dann auch jenem ziel­lo­sen Studenten in Dürrenmatts Geschichte, der plötz­lich ganz gelas­sen wird, des­sen Leben auf ein­mal an Schärfe und Klarheit gewinnt. »Gott«, so sagt er, »ließ uns fal­len. Und so stür­zen wir denn auf ihn zu.«

Bild © Kaique Rocha / Pexels

[1]
Dürrenmatt, Friedrich: Der Hund. Der Tunnel. Die Panne. Erzählungen, Werkausgabe. Bd. 21. Zürich : Diogenes, 1998 — ISBN 3257230613

We must reclaim our church

Schon vor eini­gen Wochen, noch vor der wei­te­ren Zuspitzung der Missbrauchs-Krise durch die cau­sa Viganò und dem Durchsickern der Studie zu den Missbrauchsfällen in Deutschland, sprang mir die­se Überschrift ins Auge: »We must rec­laim our church!« Und obwohl ich als kirch­li­cher Amtsträger for­mal »auf der ande­ren Seite« ste­hen mag, füh­le ich mich da mit betrof­fen: Usurpatoren haben durch kle­ri­ka­len Machtmissbrauch und durch eine fehl­ge­lei­te­te ideo­lo­gi­sche Agenda die Kirche an sich geris­sen. Ich bin Priester gewor­den um einer Kirche wil­len, die sich um die exis­ten­ti­el­len Nöte der Menschen küm­mert, sowohl die bren­nen­den intel­lek­tu­el­len Fragen wie die ganz unmit­tel­bar prak­ti­schen Bedürfnisse: um die Würde beson­ders der Schwachen und Ausgegrenzten, um Gerechtigkeit für die Armen, um Frieden für die unter Verfolgung Leidenden; und um die gro­ßen, drän­gen­den öko­lo­gi­schen und sozia­len Krisen, um die Bewahrung der Schöpfung sowie um eine frei­heit­li­che und offe­ne Gesellschaft. All das ist bibli­scher Auftrag, ange­fan­gen von den Propheten des Alten Testaments bis hin zur Bergpredigt Jesu.

Viele enga­gier­te Menschen haben sich in der Tat in der Kirche für die­se Anliegen ein­ge­setzt. Sie wur­den oft zu wenig beach­tet und man­che hat­ten wegen kri­ti­scher Anfragen mit Sanktionen zu kämp­fen. Und kaum dass Papst Franziskus mit sei­nem Eintreten für Migranten und Geflüchtete und mit sei­nen Mahnungen für eine öko­lo­gi­sche Spiritualität die­sen Anliegen etwas mehr Geltung ver­schaf­fen konn­te, sind sie auch schon wie­der vom Tisch. Von der Tagesordnung ver­drängt durch die mora­li­sche Korruption und Unglaubwürdigkeit, die in der Kirche auf­grund der Missbrauchsskandale offen­bar wur­de. Verdrängen not­wen­di­ger Reformen, Verschweigen von Problemen und Vertuschen von Verbrechen haben zu einer Lähmung geführt, die uns als Kirche unfä­hig macht, unse­ren eigent­li­chen Auftrag zu erfül­len.

Das kann nicht län­ger so wei­ter­ge­hen und es ist offen­kun­dig, dass ein Ausweg aus die­ser Krise nicht durch punk­tu­el­le Veränderungen und ein Herumdoktern an Symptomen gelin­gen wird. Was es braucht ist, dass die­je­ni­gen die Kirche für sich zurück­for­dern, um derent­wil­len sie da ist: das Volk Gottes. Es braucht eine tief­grei­fen­de und grund­le­gen­de Umkehr zum Evangelium, die sich nicht nur in from­mem Gerede und nar­ziss­ti­scher Selbstbezüglichkeit äußert und der es nicht in ers­ter Linie um die Rettung der eige­nen Haut geht, son­dern selbst­los und unei­gen­nüt­zig um die Sorge für die Menschen, beson­ders die Schwächsten und Schutzlosesten. Ich weiß nicht, ob ich mir als kirch­li­cher Amtsträger anma­ßen darf, da das gro­ße Wort zu füh­ren, aber wenn ich sehe, dass es eine sol­che revo­lu­tio­nä­re Bewegung gibt, bin ich jeden­falls sofort mit dabei.

Sternschnuppen

Laurentiustränen

I

Lange laue Sommernächte wie im Urlaub in süd­li­chen Ländern konn­ten wir in den letz­ten Wochen genie­ßen: drau­ßen sit­zen, die ange­neh­me Abendluft spü­ren, mit­ein­an­der plau­dern und sich unter den Sternen am Himmel ganz leicht und frei füh­len. Nach einer kur­zen Abkühlung könn­te heu­te wie­der so eine Nacht sein. Wer mor­gen nicht gleich früh auf­ste­hen muss, kann sich ein Plätzchen mit frei­er Sicht suchen und dann mit etwas Glück etwas Besonderes am nächt­li­chen Himmel beob­ach­ten: Sternschnuppen. Und weil es regel­mä­ßig um genau die Zeit des Jahres her­um, wo wir das Fest des hei­li­gen Laurentius fei­ern, unge­wöhn­lich vie­le Sternschnuppen sind, nennt man die­ses Phänomen seit alter Zeit auch die Laurentiustränen. Man bringt die­se klei­nen glü­hen­den Spuren am Himmel in Verbindung mit dem Martyrium des Laurentius, der ja in der Glut zu Tode gekom­men sein soll und so ein Zeugnis für sei­nen Glauben abge­legt hat.

Heute wis­sen wir, dass die Laurentiustränen von den Trümmern des Kometen Swift-Tuttle ver­ur­sacht wer­den, des­sen Bahn die Erde seit Jahrtausenden um genau die­se Jahreszeit kreuzt. Mit 200.000 Stundenkilometern rasen die win­zi­gen Kometenteile durch die Erdatmosphäre und ver­glü­hen in gro­ßer Höhe über uns. Weil momen­tan Neumond ist, gibt es nicht soviel stö­ren­des Licht und die Bedingungen, um Sternschnuppen zu sehen, sind sehr güns­tig. Wer also die Chance hat, die­se Nacht einen eini­ger­ma­ßen dunk­len Ort zu fin­den, soll­te dies tun. Denn: wer eine Sternschnuppe sieht, darf sich etwas wün­schen.

Auch ohne ganz detail­lier­te astro­no­mi­sche Kenntnisse hat­ten die Menschen immer schon die Ahnung, dass die Sternschnuppen von ganz weit her zu uns kom­men. Sie legen gewis­ser­ma­ßen Zeugnis ab für die unend­li­che Weite des Universums, für die rie­si­gen Entfernungen und sein unvor­stell­ba­res Alter: Milliarden an Jahren, Milliarden und Abermilliarden an Himmelskörpern, die uns da oben am Firmament leuch­ten. Wenn uns ein klei­nes Stück die­ser rie­si­gen wei­ten Welt ganz nahe kommt, uns berührt und einen Augenblick für uns auf­leuch­tet, dann ist das wie ein Gruß, der uns Menschen an unse­re Stellung im Kosmos erin­nert. Daran, wie klein und zer­brech­lich unse­re Welt ist. Daran auch, wie begrenzt unse­re mensch­li­chen Möglichkeiten trotz der rasan­ten Entwicklungen in Wissenschaft und Technik immer noch sind und wie sehr wir als end­li­che Wesen abhän­gig sind, von den Kreisläufen der Natur, die älter und dau­er­haf­ter und stär­ker sind als alles, was wir ins Werk set­zen kön­nen.

II

Fragt sich nur, was wir uns denn eigent­lich wün­schen sol­len, wenn uns solch ein Gruß aus die­ser grö­ße­ren und wei­te­ren Welt des Kosmos erreicht. Gerade die unge­wöhn­lich kla­ren und hei­ßen Sommernächte, die wir in die­sem Jahr seit Wochen erle­ben, kön­nen uns da auf mehr­fa­che Weise ein Denkanstoß sein. Sie sind ja von den unmit­tel­bar posi­ti­ven Effekten auf unse­re Freizeit abge­se­hen nicht nur ein gutes Zeichen. Dass die­ser Sommer einer der wärms­ten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein wird, ist beun­ru­hi­gend. Zumal er sich in eine Folge hei­ßer Sommer ein­reiht, die hin­ter uns lie­gen und von denen wir mit gro­ßer Wahrscheinlichkeit in den kom­men­den Jahren noch mehr erle­ben wer­den. Diese hei­ßen Sommer sind ein untrüg­li­cher Hinweis auf den von uns Menschen durch unse­re Eingriffe in die Natur ver­ur­sach­ten Wandel des Klimas, mit dem wir unse­re Erde viel mehr zum Glühen brin­gen, als es die Laurentiustränen jemals ver­möch­ten.

Vielleicht also soll­ten wir uns mehr Bescheidenheit wün­schen, mehr Vorsicht und mehr Rücksichtnahme in unse­rem Handeln. Mehr Respekt vor der Natur und ihrem unglaub­lich fein aus­ba­lan­cier­ten Gleichgewicht, das sich nur mehr schwer oder gar nicht mehr wie­der ein­spielt, wenn es ein­mal zer­stört ist (vgl. Papst Franziskus: »Gott ver­zeiht immer, […] die Natur ver­zeiht nie.« [1], S. 9). Was wir momen­tan mit unse­rem Lebensstil, der auf Überfluss und Verschwendung aus­ge­rich­tet ist, anrich­ten, wird unab­seh­ba­re Folgen haben nicht nur für die nächs­ten Jahre, son­dern für Jahrhunderte und Jahrtausende. Zum ers­ten Mal über­haupt grei­fen wir so sehr in die Prozesse auf unse­rer Erde ein, dass man das sogar aus dem Weltraum beob­ach­ten kann. Alexander Gerst, der deut­sche Astronaut, der sich momen­tan auf der Internationalen Raumstation ISS befin­det, hat uns Bilder gesandt, die ihn selbst betrof­fen gemacht haben, weil man auf ihnen die über wei­te Landstriche aus­ge­dörrt aus­ge­dörr­te Erde sehen kann. »Konnte eben die ers­ten Bilder von Mitteleuropa und Deutschland bei Tag machen, nach meh­re­ren Wochen von Nacht-Überflügen. Schockierender Anblick.«, schreibt er auf Twitter zu sei­nen Beobachtungen. »Alles ver­trock­net und braun, was eigent­lich grün sein soll­te.« [2]

Was der Astronaut aus der Distanz sieht, das kön­nen die Landwirte hier bei uns und anders­wo aus nächs­ter Nähe erle­ben: die aus­ge­trock­ne­ten Äcker las­sen die Feldfrüchte ver­küm­mern und allein bei uns in Deutschland sind dadurch Schäden in Milliardenhöhe zu erwar­ten. Ähnlich besorgt sind die Naturschützer: sie regis­trie­ren wie durch die Veränderungen des Klimas sich auch die Tier- und Pflanzenwelt ver­än­dert. Tierarten, die auf eine küh­le­re und feuch­te Umgebung ange­wie­sen sind, zie­hen sich zurück, ande­re wan­dern aus wär­me­ren Gegenden zu uns ein und brin­gen damit nicht nur ein wenig Exotik zu uns, son­dern womög­lich auch Krankheiten aus den Tropen, auf die wir nicht ein­ge­stellt sind (vgl. die­se aktu­el­le Meldung auf tagesschau.de [3]).

Die Folgen unse­res Handelns spü­ren nicht nur Pflanzen und Tiere, auch wir Menschen sel­ber wer­den davon erfasst. Schon jetzt wer­den mehr und mehr Landstriche auf unse­rer Erde unbe­wohn­bar und bie­ten kaum noch eine aus­rei­chen­de Lebensgrundlage. Die Verteilungskämpfe um aus­rei­chend Wasser und ande­re natür­li­che Ressourcen wer­den zuneh­men. Hunger und Armut und gewalt­sa­me Auseinandersetzungen wer­den die Folge sein. Ein nicht gerin­ger Teil der­je­ni­gen Menschen, die an den euro­päi­schen Grenzen an unse­re Tür klop­fen, ist vor den sich ver­schlech­tern­den natür­li­chen Lebensbedingungen in ihrer Heimat geflo­hen. Und die Zahl der Klimaflüchtlinge wird in den kom­men­den Jahren und Jahrzehnten wei­ter wach­sen – wahr­schein­lich so sehr, dass das, was wir momen­tan an Flucht und Migration erle­ben, nur ein klei­ner Vorgeschmack ist.

III

Laurentius hat also in die­sen Tagen tat­säch­lich Tränen zu ver­gie­ßen. Tränen über unse­re Rücksichtslosigkeit, mit der wir die Natur aus­beu­ten. Über unse­re Verantwortungslosigkeit, die uns immer noch nicht die Konsequenzen unse­res Tuns beden­ken lässt. Über unse­ren Egoismus in den rei­chen Industrieländern, mit dem wir uns an unse­ren Wohlstand und an unse­re Verschwendung klam­mern. Über unse­re Verblendung, die uns nicht sehen lässt, wie wir uns sel­ber die Probleme schaf­fen, mit denen wir dann irgend­wann nicht mehr fer­tig wer­den. Das, was die Menschen beson­ders in den Ländern des Südens aus ihrer Heimat flie­hen lässt, wird ja zu einem nicht gerin­gen Teil von uns in den wohl­ha­ben­den Weltgegenden ver­ur­sacht. Wir bla­sen die Treibhausgase in die Umwelt, wir rui­nie­ren durch wirt­schaft­li­chen Imperialismus die Märkte anders­wo und wir expor­tie­ren dann auch noch die Waffen, mit denen die Konflikte in die­ser buch­stäb­lich auf­ge­heiz­ten Atmosphäre geführt wer­den.

Gerade der Laurentius kann uns dar­auf auf­merk­sam machen, dass wir damit nicht nur gegen jede Vernunft ver­sto­ßen, son­dern auch gegen unse­ren Auftrag als Christinnen und Christen. Denn Laurentius war der Überlieferung nach in der frü­hen christ­li­chen Gemeinde einer der Diakone. Und damit war er vor allem zustän­dig für die prak­ti­schen Sorgen und Nöte sei­ner Mitmenschen. Er hat sich beson­ders um die Notleidenden und Bedürftigen geküm­mert, wie dies die ers­ten Christen als eine der wich­tigs­ten Verpflichtungen ver­stan­den haben, die sich aus dem Auftrag und der Frohen Botschaft Jesu erge­ben. Christsein lebt aus dem Glauben und aus dem Gebet, aber es spielt sich immer in der ganz kon­kre­ten Wirklichkeit ab. Unser Glaube bewährt sich in der Art und Weise, wie wir mit den Herausforderungen umge­hen, die das prak­ti­sche Leben hier und jetzt uns stellt. Daher ist die christ­li­che Urgemeinde eben nicht an Armut und Not ihrer Mitmenschen vor­über gegan­gen oder hat den Notleidenden ein­fach emp­foh­len, ihre Not gedul­dig und betend zu ertra­gen. Nein, sie hat eigens Gemeindemitglieder damit beauf­tragt, anzu­pa­cken und die Nöte zu lin­dern, hat dafür sogar ein eige­nes Amt, näm­lich das des Diakons geschaf­fen.

Heute sind es nicht mehr nur die Diakone, die sich beauf­tragt wis­sen sol­len, ihren Mitmenschen bei­zu­ste­hen. Vielmehr sind wir alle ganz per­sön­lich aus unse­rem Glauben her­aus in die Verantwortung geru­fen. Ich per­sön­lich bin gefor­dert, mei­nen Lebensstil kri­tisch zu befra­gen. Und als Gemeinschaft, als Pfarrgemeinde und als Kirche müs­sen wir uns fra­gen las­sen, ob wir zu einem nach­hal­ti­gen Handeln bei­tra­gen, das unse­rer Erde und der Menschheit gut tut. Nicht zuletzt Papst Franziskus mit sei­nem Schreiben »Laudato si‹ « [4] und vie­len ande­ren Aufrufen erin­nert uns immer wie­der dar­an. Es mag für uns unge­wohnt sein und wir tun uns viel­fach noch schwer, es mit unse­rem Glauben in Verbindung zu brin­gen: Aber es geht uns auch und gera­de als Christinnen und Christen etwas an, wie es um unse­re Umwelt bestellt ist, wie wir die Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Gesellschaft gestal­ten und wie wir uns um die­je­ni­gen Menschen küm­mern, die durch wirt­schaft­li­che oder öko­lo­gi­sche Probleme unter die Räder zu kom­men dro­hen. Laurentius und ande­re haben damit ange­fan­gen und es war kein abs­trak­ter und welt­frem­der, son­dern die­ser ganz und gar kon­kre­te und greif­ba­re Glaube, den sie mit ihrem Leben bezeugt haben. So kann Laurentius mit sei­nen Tränen uns auch heu­te Mahnung und Auftrag sein, dass wir sel­ber end­lich bereit wer­den für die not­wen­di­gen Veränderungen in unse­rer Welt.

Laurentius und sei­ne Tränen kön­nen uns aber auch Hilfe sein, wenn wir uns mit die­sem Auftrag manch­mal über­for­dert füh­len; Mutlosigkeit und Resignation sind näm­lich kei­ne sinn­vol­le Antwort auf unse­re Probleme. Die Laurentiustränen sind Botschafter aus der unend­li­chen Weite des Kosmos. Sie brin­gen uns damit zum einen ins Gedächtnis, wie fein abge­stimmt die Gesetze die­ses Kosmos sind, die wir heut­zu­ta­ge wis­sen­schaft­lich viel bes­ser ver­ste­hen als frü­her. Und sie machen uns zum ande­ren bewusst, dass wir aller ver­meint­li­chen mensch­li­chen Macht und Größe zum Trotz nur ein klei­ner Teil die­ses Kosmos sind und von einer grö­ße­ren Macht über uns abhän­gen: wir sind in der Hand Gottes. Eine sol­che Abhängigkeit macht uns nicht klein, viel­mehr bestärkt sie uns: Denn Gott lie­gen wir mit­samt unse­rer Welt am Herzen. Die Sternschnuppen sind Zeichen dafür, dass die Freuden und Leiden hier auf Erden sich am Himmel wider­spie­geln und dass der Himmel die Kraft hat, alles, was für uns auf Erden schwer und schwie­rig ist, in etwas Gutes zu ver­wan­deln. Bei aller Mahnung sind die Laurentiustränen daher am Ende doch zurecht ein Glückszeichen. Hinweis auf das Glück, das Gott für uns Menschen will. Gelingen wird dies frei­lich nur, wenn wir Gottes Angebot auch auf­neh­men. Heute wäre ein guter Tag, um damit anzu­fan­gen.

Die Pfarrei St. Laurentius in Neustadt an der Donau hat­te mich kürz­lich als Prediger zum all­jähr­li­chen Pfarrfest ein­ge­la­den. Zu die­sem Anlass habe ich ver­sucht, das tra­di­tio­nel­le Motiv der »Laurentiustränen« mit der aktu­el­len Sorge um Umwelt und Klima zu ver­bin­den. Ich dan­ke der Pfarrgemeinde für die Einladung sowie Andrea Edenharter und Michael Hauber für den Nachweis eini­ger Zitate. – Bild © pau­lis­ta / Shutterstock
[1]
Hellbach, Beate: Franziskus to go: Wegweisende Zitate von Papst Franziskus. Berlin : Neues Leben, 2016
[2]
Alexander Gerst [@Astro_Alex]. URL https://twitter.com/Astro_Alex/status/1026581015853256705. – abge­ru­fen am 2018-08-14. — Twitter
[3]
Experten alar­miert: Tropische Zecke erreicht Deutschland. URL https://www.tagesschau.de/inland/tropische-zecken-101.html. – abge­ru­fen am 2018-08-14. — tagesschau.de
[4]
Franziskus, Papst: Laudato si’. Über die Sorge für das gemein­sa­me Haus: Die Umwelt-Enzyklika mit Einführung und Themenschlüssel. Stuttgart : Katholisches Bibelwerk, 2015 — ISBN 978–3460321342
Strand von El Kala, Algerien

Hochzeit des Lichts: Zu den Seligpreisungen der Bergpredigt

I

Im Frühling woh­nen in Tipasa die Götter. Sie reden durch die Sonne und durch den Duft der Wermutsträucher, durch den Silberkürass des Meeres, den grell­blau­en Himmel, die blu­men­über­sä­ten Ruinen und die Lichtfülle des Steingetrümmers. Zu gewis­sen Stunden ist das Land schwarz vor lau­ter Sonne. Vergebens suchen die Augen mehr fest­zu­hal­ten als die leuch­ten­den Farbtropfen, die an den Wimpern zit­tern. Der her­be Geruch der Kräuter kratzt in der Kehle und benimmt in der unge­heu­ren Hitze den Atem. Hier trifft man die Götter wie Ruhepunkte im Lauf der Tage. Ich sage: »Dies Ding ist rot und jenes blau und jenes grün. Hier ist das Meer und dort das Gebirge, und dort sind Blumen.« Ich weiß hier und jetzt, dass ich nie nahe genug an die Dinge der Welt her­an­kom­men wer­de. Nackt muss ich sein und muss dann, mit allen Gerüchen der Erde behaf­tet, ins Meer tau­chen, mich rei­ni­gen in sei­nen Salzwassern und auf mei­ner Haut die Umarmung von Meer und Erde emp­fin­den, nach der bei­de so lan­ge schon ver­lan­gen. Hier begrei­fe ich den höchs­ten Ruhm der Erde: das Recht zu uner­mess­li­cher Liebe. Es gibt nur die­se eine, ein­zi­ge Liebe in der Welt. Wenn ich mich jetzt gleich in die Wermutbüsche wer­fe und ihr Duft mei­nen Körper durch­dringt, so wer­de ich bewusst und gegen alle Vorurteile eine Wahrheit beken­nen: die Wahrheit der Sonne, die auch die Wahrheit mei­nes Todes sein wird. Die Brise ist frisch, der Himmel ist blau. Ich lie­be die­ses Leben von gan­zem Herzen und will frei von ihm reden: Ich ver­dan­ke ihm den Stolz, ein Mensch zu sein.

Albert Camus, Hochzeit in Tipasa

II

Ganz so wie in Tipasa, einer klei­nen Stadt in Algerien, deren Schönheit Albert Camus so ein­drucks­voll beschreibt, ist der Sommer bei uns nicht. Aber wir ken­nen schon auch die Stunden, in denen uns das Licht der Sonne und ihre Wärme buch­stäb­lich zu durch­flu­ten scheint. Vielleicht an einem erhol­sa­men Wochenende, wo ich am Rand eines Badeweihers im Halbschatten auf der Wiese lie­ge. Ich habe den Geruch der Blumen und des Wassers in der Nase, eine sanf­te Brise streicht über mei­ne Haut, ich spü­re die Ruhe in mir und las­se mich ein­fach trei­ben. Mein Blick glei­tet über die Umgebung, nimmt alles wahr und wird doch durch nichts fest­ge­hal­ten. Dann höre ich auf, über die Dinge rings um mich her­um nach­zu­den­ken.

Normalerweise kann ich gar nicht anders, als mir über alles, was mir begeg­net, ein Urteil zu bil­den, Theorien zu ent­wer­fen, die Wirklichkeit in Konzepte ein­zu­ord­nen. Menschen, mit denen ich zu tun habe, che­cke ich ab und über­le­ge, wie ich mich ihnen gegen­über ver­hal­ten soll. Wenn ich etwas lese oder ler­ne oder in einer Vorlesung etwas höre, dann suche ich nach der pas­sen­den Schublade, in die ich das able­gen kann, fra­ge mich viel­leicht, ob ich dar­über schon eine Meinung habe und wie etwas Neues, bis­her Unbekanntes in mein Weltbild passt. Ich habe es ver­lernt, dass ich die Dinge der Welt ein­fach so sein las­se, wie sie sind. Und ich habe es noch mehr ver­lernt, die Menschen mit ihren Eigenheiten und Besonderheiten gel­ten zu las­sen, wie sie sind. »Dies Ding ist rot und jenes blau und jenes grün. Hier ist das Meer und dort das Gebirge, und dort sind Blumen.«, sagt Camus in sei­nem Essay »Heimkehr nach Tipasa«. Das genügt. Ja mehr noch: das ist eigent­lich der Schlüssel dafür, dass ich das Leben in sei­ner Buntheit und Vielfalt wie­der neu schät­zen ler­ne und dass ich mich von Menschen wie­der über­ra­schen und beschen­ken las­sen kann; dass ich, wie Camus sagt, »nahe genug an die Dinge der Welt her­an­kom­me«, um ihnen nicht schon von vorn­her­ein mei­ne Meinungen, mei­ne fes­ten Vorstellungen davon, wie das Leben zu sein hat, über­zu­stül­pen. Damit mir das gelingt, muss ich nackt sein, d.h. ich muss mich frei machen von den Vorurteilen, die ver­hin­dern, dass ich etwas über­haupt an mich her­an­las­se. Ich bil­de mir ja meis­tens ein, schon alles vor­her zu wis­sen. Bevor ich einen Menschen über­haupt tref­fe, mache ich mir schon ein Bild von ihm, fra­ge nach, ob jemand anders ihn kennt und über­neh­me dann das, was ich über die­sen Menschen gehört habe. Wenn mir jemand etwas Neues erzählt, rat­tert es in mei­nem Kopf und ich ver­su­che, den Punkt zu fin­den, wo ich einen Haken machen kann und sagen: »das weiß ich schon«.

III

Mit die­sen vor­ge­fer­tig­ten Rastern, die ich mir zurecht­le­ge, brin­ge ich mich dar­um, die Dinge und Menschen wirk­lich wahr­zu­neh­men und das Leben zu genie­ßen. Was Camus beschreibt in sei­ner Erfahrung des unmit­tel­ba­ren Kontakts mit der Wirklichkeit, ist ein Weg des Lebensgenusses: ich darf die »Gerüche der Erde [spü­ren], ins Meer tau­chen, mich rei­ni­gen in sei­nen Salzwassern und auf mei­ner Haut die Umarmung von Meer und Erde emp­fin­den«.

Ich glau­be, das ist genau die­sel­be Weise, das Leben zu genie­ßen, wie sie auch die Bergpredigt Jesu in ihren Seligpreisungen beschreibt, die wir eben im Evangelium gehört haben. Das klingt jetzt viel­leicht etwas über­ra­schend, betrach­ten wir gera­de die Bergpredigt doch oft als eine beson­ders har­te Schule der Welt-Überwindung: Arm muss ich da wer­den, hun­gern und dürs­ten, sogar ver­folgt wer­den und es scha­det auch nicht, wenn ich ein biss­chen arm im Geiste bin, sonst wür­de ich das alles gar nicht aus­hal­ten. Aber eine sol­che Lesart ist ein Missverständnis. Die so leben wer­den ja von Jesus selig geprie­sen. Und Jesus war weder per­vers noch ein Zyniker. Er hat auch nicht das gute Leben auf spä­ter ver­tagt, sonst hät­te er es sich spa­ren kön­nen, sich selbst mit sei­ner gan­zen Existenz den Armen, Notleidenden und Traurigen zuzu­wen­den, sie zu hei­len und wie­der froh zu machen.

Selig sind die Armen: näm­lich jene, die frei sind von vor­ge­fass­ten Meinungen und ange­lern­ten pseu­do­in­tel­lek­tu­el­len Urteilen. Selig sind die, die ihren Mitmenschen noch ganz unver­stellt, völ­lig natür­lich und unver­krampft begeg­nen kön­nen, die ein Lächeln erwi­dern und die die Not der Anderen sehen, ohne sie mit irgend­wel­chen Ausreden von sich fern­zu­hal­ten. Barmherzig sind die, die ihre Mitmenschen gel­ten las­sen kön­nen und sie nicht in die eige­ne Lebensweise hin­ein­zwän­gen müs­sen. Sie wer­den selbst Barmherzigkeit fin­den, weil sie sich als die anneh­men kön­nen, die sie sind. Und ein rei­nes Herz ist das­je­ni­ge, das sich danach sehnt, »nahe genug an die Dinge der Welt heran[zu]kommen« ohne etwas Fremdes zwi­schen sich und die Welt stel­len zu müs­sen. Wenn ich so ein rei­nes, unver­stell­tes Herz habe, dann kann ich tat­säch­lich schon in die­ser Welt, in dem, was mir in ihr an Schönem, Großartigem, Wunderbaren, Trostreichen begeg­net – Gott schau­en. Das ist ja der »höchs­te Ruhm der Erde: das Recht zu uner­mess­li­cher Liebe«. Auf den, der so lebt, wie Jesus es gemeint hat, fließt die­ser Ruhm über wie das Licht und die Wärme der Sonne, strömt in ihn hin­ein wie der Duft der Büsche und umspielt ihn wie die sanf­te Brise des Sommerwinds. Wer möch­te nicht so leben? -

In unse­rem Alltag sind wir weit ent­fernt von einem sol­chen Leben, machen uns den Genuss und die Freude am Leben sel­ber kaputt oder suchen ihn, indem wir uns nur immer mehr zuschüt­ten mit unnüt­zem Zeug. Dabei wäre es so ein­fach: ich muss nur los­las­sen und mich trau­en, ohne Krücken zu leben, ohne das, was ande­re mir ein­re­den oder was ich mir als unver­zicht­bar ein­bil­de. Ich blä­he mei­ne Nase und sau­ge die Luft ein, ich öff­ne mein Herz und wer­de barm­her­zig – und dann gehört mir das Himmelreich. Jetzt.

Bild: Strand von El Kala, Algerien (Validovish / Fotolia)

Friedrich Nietzsche

Übermensch

Nietzsches Zusammenbruch und der »Übermensch« – heu­te

Hans Ulrich Gumbrecht schlägt eine, wie ich fin­de, sehr erhel­len­de Deutung von Nietzsches Begriff des Übermenschen vor. Dass die­ser Gedanke gera­de nicht auf Dominanz und Machtausübung abzielt, son­dern im Gegenteil auf eine Art uni­ver­sa­ler krea­tür­li­cher Verbindung mit allem Leben, gibt mei­nem per­sön­li­chen Nietzsche-Bild nicht unbe­dingt eine neue Wendung, son­dern bestä­tigt eher eine Intuition, die ich schon lan­ge hat­te.

Tagesevangelium

Vom 23. bis 28. Januar darf ich mich mit den Redakteuren des Domradio Köln über das jewei­li­ge Tagesevangelium unter­hal­ten. Es sind span­nen­de Abschnitte aus dem Markus-Evangelium, zu denen ich mir natür­lich schon eini­ge Gedanken zurecht gelegt habe. Aber ich bin auch gespannt, was sich im Dialog an neu­en Perspektiven ergibt.


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